Der Schlüssel zu einem Gebetsleben, das sich nicht nur um das eigene Ego dreht, ist die Anbetung Gottes. Haben wir als Christen westlicher Prägung die Sprache der Anbetung verloren? Müssen wir neu beten lernen?

Autor: Matthias Griesshammer, Pastor

Die Falle des Ego-Gebets

Sind wir mal ehrlich, unsere Gebete drehen sich hauptsächlich nur um uns selbst. Nein? Ich beginne doch mit dem Danken. Aber schon bin ich nur bei mir selbst, nämlich, was ich alles Schönes erfahren durfte – was ICH erfahren durfte. Sündenvergebung, schon wieder geht es um MEINE Sünden und MEINEN Wunsch sauber vor Gott dazustehen. Naja und die Bitten sind auch klar. Sie Liste ist lang MEINER Anliegen. So schwer kommt es uns über die Lippen: „Dein Wille geschehe“, wo wir doch so genau wissen, was Gott zu tun hat.

Gebete mutieren häufig zu so einer Art Wunschliste, die beim „Weihnachtsmann“ abgegeben wird. Wir sind in die Ego-Falle getappt. Da helfen auch Formeln nichts, wie dass wir im Namen Jesu beten würden. Würden wir das, dann ginge es nicht ständig um uns selbst.

Wenn es bei Dir nicht so ist, dann Gratulation!

Die Lehre aus dem Vaterunser

Es ist ständig vor unseren Augen. In dem am meisten gebeteten christlichen Gebet lehrt uns Jesus den Weg aus dem ego-zentrierten Gebet. Jesus stellvertretend für uns richtet den Blick weg von sich selbst. Und damit darf ich das auch.
Unser Vater im Himmel – Der Blick geht zu dem liebevollen Vater in die unsichtbare Welt.
Dein Name werde geheiligt, Dein Reich komme, Dein Wille geschehe – drei Mal DEIN!
Wie im Himmel, so auch Erden – Der Blick geht nun vom Himmel auf die Erde. Dein Wille geschehe in meinem Leben, hier und jetzt.
Unser tägliches Brot gib uns heute – Übrigens aufgrund alter Papyri kann man übersetzen: „Gib uns heute frisches Brot!“.
Vergib uns unsere Schuld, lass mich nicht in Versuchungen geraten, die ich nicht bestehen kann. Erlöse mich von dem Bösen. Auch hier richte ich meinen Blick geradezu ohnmächtig auf den liebevoll väterlichen Gott.

Das Vaterunser holt uns aus dem Strudel heraus, in dem wir uns nur um unsere Probleme, Nöte und Themen drehen. Jesus setzt in seiner Einleitung noch eins drauf: „Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.“ (Mt 6,8) Ich könnte also auch alle Bitten weglassen, Anbetung und das Verweilen in seiner Gegenwart würden reichen.

Die Sprache der Anbetung neu lernen

Anbetung ist etwas anderes als Danken und Gott loben. Es geht ausschließlich um Gott, was er ist. Am einfachsten fängst Du Deine Anbetung mit DU bist an. In der Bibel mischen sich dann schnell auch der Lobpreis und der Dank ein. Aber für uns kann es wichtig sein, erst mal die Anbetung neu zu lernen. Wieviele Sätze bekommst Du hin, die mit „Du bist“ anfangen und Gottes Wesen und Eigenschaften beschreiben? Versuche mal auf 20 Sätze zu kommen.

BEISPIELE

Jesus, Du bist …

… der Anfang und das Ende
… die Auferstehung
… der Weg, die Wahrheit, das Leben
… der König der Könige
… mein Gott, o Herr
… das Licht der Welt
… das Lamm Gottes
… der Löwe vom Stamm Juda
… der Friedefürst
… der, der war und ist und der da kommt

 

Dies sind einige wenige Beispiele aus dem Büchlein von Maria Emília Baptista de Oliveira, „Bete Gott an und erleben den Sieg“. In ihrem Büchlein füllt sie 10 Seiten mit Beispielen der Anbetungssprache.

„Vertraut ihm zu jeder Zeit, ihr aus dem Volk!
Schüttet euer Herz aus vor ihm, Gott ist unsere Zuflucht.“
Psalm 62,9 (BasisBibel AT/NT)

Das Herz ausschütten

In seinem Lied fordert uns David im Namen Gottes auf:
„Vertraut ihm zu jeder Zeit, ihr aus dem Volk!
Schüttet euer Herz aus vor ihm,
Gott ist unsere Zuflucht.“
Psalm 62,9 (BasisBibel AT/NT)

Schütte nach Deiner Anbetung einfach Dein Herz vor Gott aus. Es wird Dir jetzt leichter fallen, Gott nichts aufzudrängen. Sage ihm, wie es Dir im tiefsten Inneren geht, alle Deine Sehnsüchte, Deine Dankbarkeit.
Dir liegen andere Menschen am Herzen, die gerade in tiefer Not sind. Schütte Deine Sorge um sie vor Gott aus. Und bete von Herzen: Dein Wille geschehe!

Merkst Du etwas?

Es könnte jetzt sein, dass Du einen Unterschied merkst. Dein Beten hat sich verändert und Du bist zufriedener, weil Du Dich nicht mehr um Dich drehst, sondern Deinen Kopf geradezu in die himmlische Welt gestreckt hast.

Offenbarung 4,8–11 (LU)

8 Und ein jedes der vier Wesen hatte sechs Flügel, und sie waren rundum und innen voller Augen, und sie hatten keine Ruhe Tag und Nacht und sprachen:
Heilig, heilig, heilig ist Gott der Herr, der Allmächtige, der da war und der da ist und der da kommt.

9 Und wenn die Wesen Preis und Ehre und Dank geben dem, der auf dem Thron sitzt, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, 10 fallen die vierundzwanzig Ältesten nieder vor dem, der auf dem Thron sitzt, und beten den an, der da lebt von Ewigkeit zu Ewigkeit, und legen ihre Kronen nieder vor dem Thron und sprechen:

11 Herr, unser Gott, du bist würdig, zu nehmen Preis und Ehre und Kraft; denn du hast alle Dinge geschaffen, und durch deinen Willen waren sie und wurden sie geschaffen.

HERR, lehre uns beten ...

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